Behandlung einer Rauchvergiftung: Was der Chefarzt sagt

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Mittwoch, 28. November 2018 06:15

Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos. Foto: Inselspital Bern


Die bei weitem häufigste Todesursache bei Bränden ist eine Vergiftung durch Rauchgas. Beteiligt ist vor allem Kohlenmonoxid, das bei Feuer mit geringer Luftzufuhr entsteht. Die meisten der Brandopfer sterben nachts im Schlaf. Die Menschen werden durch das geruchlose Kohlenmonoxid bewusstlos, bevor sie fliehen können.

Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum (Inselspital Bern), zum Thema Rauchvergiftung.

Herr Exadaktylos, welches sind die Symptome einer Rauchvergiftung?
Es gibt keine «klassische» Rauchvergiftung. Die Gefährlichkeit hängt von der Zusammensetzung des Brandgutes und von der Menge ab. Rauch kann von ungefährlich bis hochgiftig sein, da es eine Mischung aus den unterschiedlichsten Partikeln darstellt. Die Symptome reichen von Unwohlsein, Kopfschmerzen, starken Hustenattacken und Atemnot bis hin zum Koma. Grundsätzlich unterscheidet man:

  • Stickgase (u.a. Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Blausäure etc.). Diese Gifte kommen auf «leisen Sohlen» und haben eine geringe Reizwirkung – also man bemerkt diese nicht oder zu spät. Diese Gase haben aber eine hohe Toxizität und sind sogar tödlich.
  • Reizgase (Chlorgas, Schwefeloxide etc.). Diese Gase haben eine hohes Reizpotential (starker Husten), sind aber seltener tödlich.
  • Flüchtige Pyrolysegase (Benzol, Ether etc.). Diese bemerkt man am Anfang gar nicht, sie führen aber bei langer Exposition zu Organschäden (vor allem Industriearbeiter sind betroffen).
  • Feste Rauchgasbestandteile (Russ) – diese können langfristig unter anderem zu Krebs führen.

Wie wird eine Rauchvergiftung behandelt?
Hier gilt das Verursacherprinzip. Grundsätzlich haben alle oben genannten Bestandteile des Rauches einen gemeinsamen Feind: Den Sauerstoff. Das heisst, je mehr von den giftigen Stoffen, desto weniger lebenswichtiger Sauerstoff gibt es zum Atmen. Somit besteht vor allem bei den reizlosen Rauchen Erstickungsgefahr durch Sauerstoffmangel. Deshalb ist die erste Massnahme immer 100 Prozent Sauerstoffgabe. Dabei handelt es sich um den sogenannten Medizinsauerstoff, der aus den bekannten Stahlflaschen kommt.

Und wenn keine Sauerstoffflasche in der Nähe ist?
Gibt es den nicht, so muss die Person sofort an die frische Luft. Das Gesicht und die Atemwege sollten mit klarem Wasser gespült werden. Verrauchte Kleidung sollte sofort entfernt werden. Wenn Duschen möglich ist, dann ist das ideal. Wenn Schleimhäute durch giftige Gase oder auch durch die Hitze stark gereizt werden, kann es zu mechanischen Atemproblemen kommen. Im Notfall muss auch intubiert werden, um die Atemwege zu sichern, bevor diese allenfalls zu schwellen.

Gibt es Spätfolgen?
Je nach Verursacher kann es von lokalen Schäden im Bereich der Atemwege bis zu langfristigen Organschädigungen kommen.

Kann man auch durch Zigarettenrauch eine Rauchvergiftung erleiden?
Solange man in gut gelüfteten Räumen raucht und genug Sauerstoff vorhanden ist, sollten akute Probleme nicht auftreten. Dies gilt auch für die neuen E-Zigaretten. Tabakrauch wurde in den USA (Kalifornien) bereits 2006 auf die Liste der Luftschadstoffe aufgenommen und ist somit den anderen gefährlichen Stoffen gleichgesetzt.


Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch


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