Über 7000 Schlittelunfälle pro Jahr: Was der Notfallprofessor rät

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Freitag, 01. Februar 2019 06:07

Foto: Pixabay


Herr Exadaktylos, laut Statistiken gehört das spassige Schlitteln zu den unfallreichsten Wintersportarten (in der Schweiz gibt es laut bfu jährlich rund 7 000 Schlittelunfälle). Sind es vor allem Kinder, die betroffen sind?
Es sind nicht nur Kinder, aber sicher machen diese den Grossteil der Unfälle aus. Es ist aber schwierig, hier eine Aussage zu machen, da Kinder häufig von Erwachsenen auf dem Schlitten begleitet werden. Aber in den letzten Jahren sehen wir immer mehr erwachsene Schlittler.

Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum (Inselspital Bern).

Welche Unfallart kommt am häufigsten vor?
Grundsätzlich sollten wir einmal unterscheiden, ob es sich um ein fröhliches «Stutzaberodeln» handelt oder um das Runterfahren von rassigen Waldwegen. Die schwersten Unfälle gibt es meiner Erfahrung nach bei Kollisionen mit Bäumen und Absperrungen. Das hohe Gewicht von einer oder zwei Personen beschleunigt einen Schlitten sehr schnell und kann diesen zu einem unbeherrschbaren Geschoss machen. Somit sind es vor allem die Beine, Arme und der Kopf, die verletzt werden.

Weshalb die Beine?
Hier gibt es bestimmt mehrere Gründe. Einmal eine falsche Bremstechnik, bei der die Beine nach hinten gerissen werden und nicht mehr «bremsfähig» sind – und häufig zwischen Baum und Schlitten eingeklemmt werden. Zudem wird häufig falsches Schuhwerk getragen. Die Schuhe und deren Sohle sind sozusagen die Bremsen und diese sollten gut zupacken können.

Wie sieht es mit dem Kopf aus?
Oft werden die Schlittler vom Gefährt katapultiert und schlagen entweder mit dem Kopf auf der Rodelpiste auf oder kollidieren mit einem Baum. Der Kopf ist leider oftmals ungeschützt.

Sollte Ihrer Meinung nach eine Helmtragepflicht fürs Schlitteln eingeführt werden?
Ich bin gegen das Wort Pflicht, aber ich kann jedem nur wärmstens empfehlen, einen solchen Schutz zu tragen, so wie es sich ja auch beim Skifahren (hier besteht auch keine Pflicht) durchgesetzt hat. Der Kopf ist unser höchstes Gut und sollte geschützt sein, ob jung oder alt.

Wer verletzt sich nach den Kindern am häufigsten?
Am häufigsten verletzen sich jüngere Männer, so Anfang 20. Eine klassische «Risikogruppe», welche vermutlich die Gefahren eines schnellen Kufenritts unterschätzt.

Was ist gefährlicher, ein Holzschlitten oder ein Plastik-Bob?
Holzschlitten sind Sportgeräte und sollten auch als solche angesehen werden. Sie sind auf Geschwindigkeit ausgelegt. Man darf das nicht unterschätzen.

Was sollte man auf keinen Fall machen?
Alkohol und Schlitteln ist wie auch bei anderen Sportarten ein absolutes No-Go. Man gefährdet nicht nur sich selber, sondern im Zweifelsfall auch andere. Auch sollte man sehr kleine Kinder nicht alleine einen ungesicherten Abhang hinunterschicken. Wie gesagt, der gesunde Menschenverstand sollte immer eingeschaltet bleiben, dann bleibt es beim Spass im Schnee. Und was wäre ein Winter ohne Rodeln.


Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch


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