Darmkrebs: «Es ist gefährlich, auf Symptome zu warten»

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Montag, 05. August 2019 06:30

Dr. med. Beat Muggli.


Dr. med. Beat Muggli, Facharzt FMH für Chirurgie, Klinikleiter und Chefarzt Chirurgie, zum Thema Darmkrebs.

Herr Muggli, wann sollte jemand wegen einer möglichen Darmkrebserkrankung zum Arzt?
Die gute Nachricht ist: Dickdarmkrebs ist der einzige Krebs, den man durch Vorsorge wirklich verhindern kann. Das hat damit zu tun, dass er aus Polypen entsteht, die lange gutartig sind, bevor sie irgendwann zu Krebs entarten. Sie werden bei der Darmspiegelung direkt abgetragen. Es gilt also, alles dafür zu tun, den Krebs in einem Stadium zu erkennen, in dem er heilbar ist oder sich in einer Vorstufe befindet.

Warum nicht erst, wenn man Beschwerden hat?
Wenn Darmkrebs Symptome macht, ist er meistens leider schon fortgeschritten und die Heilungschancen sind markant gesunken. Auf spezifische Symptome zu warten, ist also gefährlich. Und unnötig, weil er mit Vorsorgeuntersuchungen verhindert werden kann.

Ist die Stuhluntersuchung auf Blut nicht ausreichend?
Die Darmspiegelung ist der Goldstandard. Der Test auf Blut im Stuhl alle zwei Jahre ist zwar durchaus eine Option. Er ist allerdings wesentlich ungenauer, da die Tumoren und Polypen nicht dauernd bluten. Und man kann nicht direkt intervenieren. Falls der Test positiv ist, muss man dennoch eine Darmspiegelung machen.

Was raten Sie Menschen mit familiärer Vorbelastung?
Nur ein kleiner Teil der Darmkrebsfälle ist familiär bedingt. Wenn bei jemandem in der Familie im Alter vor 40 oder 45 Jahren ein solcher Krebs auftritt, ist das ein Hinweis, dass das genetisch sein könnte. Weil diese Tumore früher auftreten und auch schneller wachsen, ist eine engmaschige und frühzeitige Begleitung angebracht, eine Spiegelung alle zwei Jahre, und zwar schon ab 20 bis 25 Jahren.

Wie schütze ich mich vor Darmkrebs?
Leider wissen wir noch viel zu wenig über die möglichen Zusammenhänge. Da Darmkrebs aber vor allem in den Industrieländern auf dem Vormarsch ist, nehmen wir aufgrund verschiedener Studien stark an, dass die Ernährung und der Lebensstil eine entscheidende Rolle spielen. Das heisst: reichlich Gemüse und Obst essen, die Zufuhr von Zucker und tierischen Fetten, insbesondere von rotem Fleisch tief halten. Günstig sind offenbar Omega-3-Fettsäuren, die zum Beispiel in Leinöl, Rapsöl gehäuft vorkommen oder in Form von Algenöl-Tabletten gekauft werden können. Den Konsum von Alkohol sollte man einschränken, das Rauchen aufgeben. Unterschätzt wird ganz allgemein, wie wichtig regelmässige Bewegung ist. Unabhängig vom Lebensstil: Der beste Schutz ist und bleibt die Vorsorgeuntersuchung.

Quelle und mehr Infos: www.inselgruppe.ch


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch



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