Depressionen im Alter: Nicht einfach nur lebensmüde

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Montag, 19. August 2019 06:30

Foto: Pixabay


Depressionen sind keine normalen Folgen des Alterns, können dieses aber in nachhaltiger Weise ungünstig beeinflussen und erschweren.

Der Experte zum Thema: Prof. Dr. med. Urs P. Mosimann.

Die Häufigkeit von schweren depressiven Episoden bei Senioren variiert zwischen 5 bis 10 Prozent. Leichte bis mittelschwere depressive Episoden sind häufiger (bis 35 Prozent). Am häufigsten sind Depressionen in Alters- und Pflegeheimen.

Depressionen haben bio-psycho-soziale Ursachen. Älter werden kann mit anderen körperlichen Erkrankungen einhergehen und zu einschneidenden sozialen Veränderungen führen (Verlust des Ehepartners, krankheitsbedingter Umzug in eine Seniorenresidenz). Solche Veränderungen können die Entwicklung einer Depression begünstigen. Leider bleiben Depressionen im Alter oft unerkannt oder die Symptome werden dem Alterungsprozess oder den körperlichen Erkrankungen zugeschrieben.

Ungünstige Wechselwirkungen
Depressionen können ein Risikofaktor oder die Folge einer somatischen Erkrankung sein. Diese Wechselwirkungen beeinträchtigen die Prognose der Depression wie auch der körperlichen Erkrankung. Solche Zusammenhänge bestehen zum Beispiel zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen. So ist das Risiko, nach einem Herzinfarkt an einer Depression zu erkranken erhöht, und die Depression ist zusätzlich ein Risiko für einen erneuten Herzinfarkt.

Durch eine individualisierte medikamentöse und psychotherapeutische antidepressive Therapie können solch ungünstige Wechselwirkungen minimiert werden. Die Behandlung von Depressionen ist auch bei Senioren erfolgversprechend, muss aber die Besonderheiten und Themen des Alters berücksichtigen. So müssen beispielsweise bei der Wahl einer antidepressiven Therapie begleitende Erkrankungen oder Medikamente berücksichtigt werden.

Bei leichteren Depressionen können psychotherapeutische Interventionen ausreichen. Bei schwereren Depressionen wird in aller Regel eine Kombination von Psychotherapie mit Medikamenten empfohlen. Der erste Ansprechpartner für die Behandlung einer Depression ist meist der Hausarzt/die Hausärztin, da sich hinter Depressionen auch körperliche Erkrankungen verbergen können (Vitaminmangel, Blutarmut usw.). Die Hausärzte ziehen meist Spezialisten bei, wenn erste Abklärungen oder Therapien nicht erfolgreich waren. Neben den spezialisierten antidepressiven Therapien gibt es unspezifischere Therapiemethoden, die ohne fachtherapeutische Hilfe angewendet werden können – wie der tägliche Spaziergang an der frischen Luft, möglichst um die Mittagszeit, weil Licht und leichter Sport auch antidepressiv wirken können.

Längerfristig therapieren
Wenn Menschen im Rahmen einer psychischen Erkrankung Lebensüberdruss äussern oder gar konkrete Pläne für Selbstverletzung haben, handelt es sich um eine Notfallsituation, die in jedem Fall ärztlich oder fachpsychologisch beurteilt werden muss. Wenn mit einer antidepressiven Therapie eine Depression behandelt werden konnte, ist es wichtig, dass diese Therapie längerfristig angewendet wird, da das Rückfallrisiko bei einem frühen Absetzen der Therapie steigt.

Eine wirksame antidepressive Medikation soll somit in unveränderter Dosierung für längere Zeit – mehrere Monate – beibehalten werden, um unnötige Rückfälle zu vermeiden.

Mehr Infos: www.privatklinik-wyss.ch


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch



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