Der Chefarzt zum Thema Masern: «Einziger Schutz ist eine Impfung.»

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Freitag, 15. März 2019 06:34

Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos.


Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum (Inselspital Bern), zum Thema Masern.

Herr Exadaktylos, die Weltgesundheitsbehörde WHO wollte einst die Masern bis 2010 ausrotten. Warum ist dies bisher nicht gelungen?
Im Januar und Februar 2019 wurden gemäss BAG in der Schweiz 50 Masernfälle verzeichnet, was im Vergleich zur selben Vorjahresperiode mit 12 Fällen eine massive Zunahme bedeutet. Ca. 1/3 der Erkrankten waren Kinder unter 10 Jahren. 92 % aller Masernpatienten waren nicht geimpft. Somit erübrigt sich fast schon eine weitere Spekulation über die Gründe.

Wie werden Masern übertragen?
Zu einer Übertragung des Masern-Virus kommt es durch Tröpfcheninfektion (Körperflüssigleiten etc.), z.B. beim Husten oder Niesen.

Warum ist die Masernimpfung sinnvoll?
Zuerst kann man sagen, dass sich die meisten gegen Masern impfen lassen. Die Durchimpfungszahlen liegen bei 87 % bei den 2-Jährigen und bei 93 % bei den 16-Jährigen (Werte für 2 Dosen). In der Schweiz wird mit 2 Dosen einer MMR-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Dies schützt dann ein Leben lang vor den Komplikationen. Dadurch konnte die WHO 2017 zum ersten Mal bestätigten, dass die einheimische Zirkulation des Masernvirus unterbrochen werden konnte. Auf die Dauer können Masern aber nur ausgerottet werden, wenn mindestens 95 % der Kinder sowie alle nach 1963 geborenen Erwachsenen durch zwei Impfdosen geschützt sind.

Was ist der Grund, weshalb viele Eltern die Masern immer noch als harmlos einschätzen?
Masern sind keine Windpocken, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, eine Infektion mit teilweise schweren Begleitinfektionen wie Lungen- (Pneumonie) oder auch schwere Mittelohr- (Otitis) und Hirnhautentzündungen (Enzephalitis). Da wir Masern lange nur als Randerscheinung wahrgenommen haben, ist vermutlich Ihre Gefährlichkeit in Vergessenheit geraten.

Was halten Sie von einem Impfzwang?
Ich bin kein Freund von Zwängen, aber bei Masern würde ich eine strenge Impfempfehlung befürworten, da schwere Verläufe und Ausbrüche auch die Gesellschaft als Gesamtes betreffen und belasten und eben auch tödlich sein können. Eine Nachholimpfung ist in jedem Alter möglich und die Impfung gilt als sehr sicher.

Welche Symptome zeigen sich bei einer Masern-Infektion?
Masern verlaufen üblicherweise in zwei Phasen: Erste Symptome treten in der Regel ca. 7 bis 21 Tage nach der Infektion auf und ähneln einer Grippe mit Fieber, Müdigkeit, Bauchschmerzen, Entzündungen des Hals-Nasen-Rachenraums und sind von Husten, Schnupfen begleitet. Nach einem kurzen Abklingen der Symptome und nachdem die Masernviren unseren Körper anständig geschwächt haben, zünden diese dann Phase zwei ihres Angriffs auf unser Immunsystem, welcher mit einem erneuten starken Fieberanstieg reagiert. Die oben beschriebenen Symptome verstärken sich nochmals deutlich und der klassische Masernausschlag kommt dazu und verstärkt das Krankheitsempfinden massiv.

Masern werden auch aus dem Ausland eingeschleppt. Wie könnte man sich in Zukunft dagegen schützen und vorgehen?
Das ist korrekt, auch aus dem Ausland kommen Masern in die Schweiz. Einziger Schutz ist eine Impfung.


Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch


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