Kann die Pollenallergie vererbt werden? Was die Expertin dazu sagt

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Mittwoch, 17. April 2019 07:00

Foto Pixabay.


Sonja Hartmann, Expertin bei aha! Allergiezentrum Schweiz, zum Thema Pollenallergie.

Frau Hartmann, die Pollenallergie ist die häufigste allergische Erkrankung in unseren Breitengraden. Wie hat sich die Zahl der Pollenallergiker über die Jahre verändert?
Während 1926 knapp 1 von 100 Personen von einer Pollenallergie betroffen war, sind es heute 20 von 100. Somit ist zählt jeder Fünfte zu den Betroffenen.

Durch welche Symptome macht sich die Allergie erkennbar?
Niesattacken, Fliessschnupfen (Rhinitis), verstopfte Nase, erschwerte Nasenatmung, juckende und tränende Augen (Konjunktivitis), Juckreiz in Gaumen, Nase und Ohren, Heiserkeit und Hustenreiz. Angestauter Schleim in den Nasennebenhöhlen kann zu Kiefer- und Kopfschmerzen führen. Eine über eine längere Zeit unbehandelte Pollenallergie kann sich zu einem allergischen Asthma entwickeln.

Wie unterscheiden sich die Symptome der Pollenallergie von einer Erkältung?
Eine Pollenallergie zeigt sich immer zur gleichen Jahreszeit, ist saisonal wiederkehrend und wird meist begleitet von einem mühsamen Juckreiz in den Augen, Gaumen, Nase und Ohren. Im Unterschied zum Erkältungsschnupfen fehlen bei einer Pollenallergie allgemeine Krankheitssymptome wie Halsschmerzen oder Husten.

Ab wann spricht man von einer Pollenallergie?
Sobald die oben genannten spezifischen Symptome auftauchen, die ein Allergologe als Heuschnupfen diagnostiziert hat.

Welche Auslöser bringen die Allergie zum Vorschein?
Die Pollenallergie ist eine Reaktion auf eine oder mehrere Pollenarten. Dabei reagiert das Immunsystem auf die an sich harmlosen Eiweisse der Pollen. Die drei wichtigen Hauptgruppen von Auslösern sind: Bäume (Hasel, Erle, Esche, Birke, Hagebuche, Eiche), Gräser (zum Beispiel Wiesenlieschgras, Knäuelgras, Englisches Raygras) und Kräuter (Beifuss, Traubenkraut).

Wie läuft das Verfahren zur Diagnostizierung ab?
Zuerst erfasst der Arzt die Krankheitsgeschichte des Betroffenen. Diese bietet einen Hinweis, welche Auslöser die Ursachen für die Symptome sein könnten. In einem zweiten Schritt werden Haut- und Bluttests durchgeführt. Beim Hauttest wird bei der Pollenallergie ein Pricktest durchgeführt. Beim Pricktest werden Allergenlösungen auf die Haut am Vorderarm geträufelt und mit einer feinen Nadel unter die Haut gepickt. Führt das Allergen nach 20 Minuten zu einer Reaktion wie nach einem Mückenstich, so ist der Test positiv. Bei anderen Allergien wie zum Beispiel der Kontaktallergie wird jedoch ein Epikutan- oder Patchtest durchgeführt. Dabei wird ein Pflaster mit zahlreichen Testkammern auf den Rücken geklebt. In der Regel lässt man das Pflaster zwei Tage auf dem Rücken. Anschliessend wird das Pflaster entfernt und es erfolgt die Testablesung. Entscheidet sich der Arzt für den Bluttest, wird dem Patienten Blut entnommen, welches im Labor auf Antikörper (spezifisches IgE) gegen einzelne Allergene untersucht wird. Dann erfolgt durch den Arzt die Interpretation der Resultate im Vergleich zu den Beschwerden des Betroffenen.

Welche Allergiker-Typen gibt es?
Es gibt insgesamt vier Typen, welche sich jedoch nicht ausschliesslich auf die Pollenallergie beziehen. Diese erstrecken sich über den gesamten Allergie-Bereich. Der bekannteste Typ ist der Soforttyp-Allergie (Typ I), welcher zum Beispiel auf Pollen, Nahrungsmittel, Tiere oder Insektengift reagiert. Bei diesem Typ treten die Symptome, in der Regel an Haut oder Schleimhäuten, sofort oder innerhalb weniger Minuten auf. Beim Typ II-Allergie, eine seltene Allergieform, können Zellen des Blutes beispielsweise durch Medikamente beschädigt werden. Beim Typ III-Allergie reagiert der Körper meist auf Medikamente. Hierbei binden sich Antikörper gegen im Blut gelöste körperfremde Stoffe. Beim letzten Allergie-Typ, dem Spättyp-Allergie (Typ IV), wird im Gegensatz zu den andern Allergie-Typen erst spät eine Reaktion des Körpers sichtbar. Hierbei handelt es sich um die einzige Allergieform, bei der bestimmte Abwehrzellen direkt gegen Allergene vorgehen. Der Betroffene dieser Form zeigt sich oft als Kontaktallergiker und reagiert meist nicht auf grosse Moleküle wie Eiweisse sondern eher auf Metalle oder einfachere Chemikalien.

Wie kann die Allergie behandelt werden?
Die Therapie einer Allergie muss in Absprache mit dem Arzt erfolgen, er wird aufgrund der individuellen Situation die angemessene Therapie festlegen. Bei einer Pollenallergie reichen meistens Antihistaminika allenfalls in Kombination mit Kortisonpräparaten aus, um die Symptome im Griff zu haben. Die Pollenallergie kann aber auch ursächlich mit einer Desensibilisierung angegangen werden. Dadurch verringern sich die Symptome um über 50 Prozent.

Kann die Pollenallergie genetisch vererbt werden?
Leiden bereits Mutter und Vater an Heuschnupfen, steigt bei den Kindern das Risiko einer Erkrankung auf über 60 Prozent. Sind weder Eltern noch Geschwister betroffen, besteht trotzdem ein Risiko von 15 Prozent.

Was raten Sie allen Pollenallergikern, um die Pollen-Zeit möglichst unbeschwert zu überstehen?
Wer leidet, dem helfen neben der medikamentösen Therapie auch diese Verhaltenstricks: Kurz Stoss lüften, vor dem Schlafengehen die Haare waschen, die Wäsche nicht im Freien trocknen lassen, bei schönem, windigem Wetter kurz an die frische Luft, draussen immer eine Sonnenbrille tragen und sportliche Aktivitäten nach drinnen verlegen. Und die aktuelle Pollenbelastung beobachten: www.pollenundallergie.ch oder mit der kostenlosen App «Pollen-News».


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch



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