Früherkennung Brustkrebs: Welche Veränderungen der Brust sollte man ärztlich abklären lassen?

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Freitag, 25. Oktober 2019 07:15

PD Dr. med. Dimitri Sarlos, Klinikleiter und Chefarzt Gynäkologie & Gynäkologische Onkologie sowie Ärztlicher Leiter des Brustzentrums des Kantonsspitals Aarau.


PD Dr. med. Dimitri Sarlos, Klinikleiter und Chefarzt Gynäkologie & Gynäkologische Onkologie sowie Ärztlicher Leiter des Brustzentrums des Kantonsspitals Aarau zum Thema Früherkennung Brustkrebs.

Herr Sarlos, stimmt es, dass sich die Brust einer Frau im Laufe der Jahre ständig verändert?
Das Brustdrüsengewebe ist hormonabhängig. Deshalb ist es absolut richtig, dass die Brust nicht nur im Laufe des Lebens, sondern auch im Laufe des Zyklus einer Frau ständigen hormonellen Schwankungen unterworfen ist.

Man hört immer wieder, dass die Selbstuntersuchung von grosser Wichtigkeit ist. Wie untersucht man sich richtig?
Die Selbstuntersuchung der Brust ist tatsächlich wichtig. Wichtiger wohl als die Selbstuntersuchung erscheint mir die Sensibilisierung der Frauen auf die Brust. Wir würden uns wünschen, dass wenn eine Frau eine Veränderung in ihrer Brust verspürt – sei dies ein Knoten, ein Schmerz, ein Flüssigkeitsaustritt, eine farbliche Veränderung oder auch eine Veränderung der Form – dass sie einen Arzt aufsucht. Die eigentliche Selbstuntersuchung ist schwierig zu erlernen und führt häufig auch zu einer Verunsicherung. Hier können sicherlich die Brustzentren mit ihrer Expertise weiterhelfen.

Welche Veränderungen sollten man beim Arzt untersuchen lassen?
Jede Veränderung der Brust, welche neu aufgetreten ist und insbesondere einseitig auftritt, sollte weiter bei einem Arzt abgeklärt werden. Typisch sind der neu aufgetretene tastbare Knoten, ein neuer einseitiger Brustschmerz, eine Veränderung der Brustform, eine Einziehung der Brustwarze, ein Flüssigkeitsaustritt aus der Brustwarze oder auch eine farbliche Veränderung der Brust, insbesondere eine Rötung. Dies sind Symptome, die sicherlich eine ärztliche Abklärung nach sich ziehen sollten.

Ab 50 Jahren sollte man sich regelmässig einer Mammographie unterziehen. Stimmt das und in welchen Abständen sollte die Untersuchung gemacht werden?
In fast allen Ländern der Europäischen Union und in vielen Kantonen der Schweiz wird ein Brustkrebs-Vorsorgeprogramm mittels Mammographie durchgeführt. Hierbei ist international empfohlen, zwischen 50 und 70 Jahren alle zwei Jahre eine Mammographie durchführen zu lassen.

Wie läuft eine solche Mammographie ab?
Eine Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust, bei welcher die Brustdrüse (beidseits) in zwei Ebenen, das heisst von oben nach unten und von links nach rechts, geröntgt wird. Darauf können dann kleine Veränderungen gesehen werden, welche Hinweise geben können, dass ein Brustkrebs vorhanden ist, lange bevor dieser tastbar ist oder anderweitige Symptome machen würde.

Gibt es weitere Untersuchungsmöglichkeiten?
Für die Brustkrebsvorsorge ist die Mammographie das einzig etablierte Verfahren. Der Ultraschall der Brust ist sehr wertvoll und wird ergänzend zur Mammographie durchgeführt. In seltenen Fällen kann auch eine MRI-Untersuchung der Brust hilfreich sein.

Welche Tipps geben Sie einer Frau, um Brustkrebs frühzeitig zu erkennen?
Das Wichtigste überhaupt ist, eine gewisse Sensibilisierung der Frauen auf ihre Brust zu erreichen. Wie bereits oben erwähnt, sollten neu aufgetretene Brustsymptome abgeklärt werden. Im Weiteren empfehlen wir immer die Mammographie-Vorsorgen zwischen 50 und 70 Jahren. Dies sind selbstverständlich freiwillige Untersuchungen. Regelmässige Kontrollen beim Frauenarzt oder beim Brustspezialisten sind sicherlich auch sehr hilfreich.

Ist die Diagnose Brustkrebs ein Todesurteil?
Viele Frauen mit Brustkrebs können wir heute heilen. Selbstverständlich hängt das vom Tumor-Typ und vom Stadium der Erkrankung ab, in welchem die Krankheit diagnostiziert wurde. Mit den neuen Operationsverfahren und neuen, vor allem auch medikamentösen Therapien, können wir statistisch vier von fünf Frauen heilen.

Wie behandelt man Brustkrebs?
Brustkrebs ist immer eine interdisziplinäre Therapie. Das bedeutet, dass verschiedene Fachspezialisten die Patientin betreuen. Die Hauptpfeiler der Therapie sind die Operation, die Medikamententherapie (Anti-Hormon-Therapie, Chemotherapie, Immuntherapie) und die Strahlen-Therapie. Wichtig ist, dass die Behandlung an einem zertifizierten Brustkrebs-Zentrum erfolgt, da hier die Behandlungswege eingespielt sind und die Ärzte über eine grosse Expertise verfügen.

Weitere Informationen: www.ksa.ch/zentren-kliniken/brustkrebszentrum .


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch



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