Hyperhidrose: Wenn Schwitzen zu einer täglichen Belastung wird

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Montag, 04. November 2019 07:30

Dr. med. Mandana Péclard, Fachärztin FMH für Allgemeine und Innere Medizin der Praxis am Paradeplatz in Zürich.


Dr. med. Mandana Péclard, Fachärztin FMH für Allgemeine und Innere Medizin der Praxis am Paradeplatz in Zürich, zum Thema Hyperhidrose.

Frau Péclard, was ist Hyperhidrose?
Hyperhidrose bezeichnet übermässiges Schwitzen, welches über normales Schwitzen hinausgeht und beginnt zu stören. Das kann entweder lokal, in den Achseln, Händen, Füssen, Stirn oder auch generalisiert am ganzen Körper auftreten.

Durch welche Symptome zeigt sich die Hyperhidrose?
Sie zeigt sich durch übermässiges Schwitzen, welches in jeder Situation auftreten kann, auch wenn die betroffene Person sich nicht aktiv betätigt. Es handelt sich hierbei um die Nässe, welche man spürt, wenn einem beispielsweise der Schweiss den Arm hinunter tröpfelt oder man nichts anfassen kann, ohne Flecken zu hinterlassen.

Können die Symptome durch emotionale Faktoren verstärkt werden?
Ja, positiver wie auch negativer psychischer und emotionaler Stress kann Auswirkungen auf die Hyperhidrose haben. Beispielsweise, wenn man eine Präsentation halten muss und weiss, dass man unter Hyperhidrose leidet, verstärkt das meist die Symptome. Darunter leiden vielfach Männer, welche in Anzügen arbeiten müssen. Es gibt viele, welche mehrere Hemden mitnehmen, damit sie bei Durchnässung wechseln können.

Welche Ursachen kann die Erkrankung haben?
Die Hyperhidrose wird in zwei Gruppen aufgeteilt: die idiopathische essentielle Hyperhidrose (primäre Hyperhidrose), bei der die Ursache unbekannt ist und die sekundäre Hyperhidrose, bei der man die Ursache kennt. Die meisten Patienten und Patientinnen sind von der primären Hyperhidrose betroffen. Bei der sekundären Hyperhidrose sind die Gründe zum Beispiel eine Diabetes-Erkrankung, starkes Übergewicht, eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder die Einnahme von Medikamenten, wie Psychopharmaka.

Wie läuft die Diagnostizierung ab?
In der Regel wird die Diagnose mittels Anamnese gestellt. Dies passiert durch gezielte Fragen wie:

  • Wann schwitzen Sie?
  • Was führt dazu, dass Sie vermehrt schwitzen?
  • Seit wann schwitzen Sie?
  • Gibt es in der Familie bereits bekannte Fälle von Hyperhidrose?

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, die Schweissproduktion mittels Löschpapier zu messen. Man legt das Papier auf die betroffene Stelle und misst anschliessend das Gewicht, um festzustellen, wie viel Schweiss produziert wurde. Dabei handelt es sich jedoch um eine sehr aufwendige und komplexe Untersuchungsform. Des Weiteren gibt es den sogenannten Jod-Stärke-Test. Hierbei wird auf die betroffenen Stellen zuerst Jod und anschliessend Stärke aufgetragen. Das führt dazu, dass die Nässe durch die Schweissdrüsen drückt und man sehen kann, wo man verstärkt schwitzt.

Wer ist von übermässigem Schwitzen betroffen?
Es kann keine geschlechtsspezifische Aussage gemacht werden, da es sowohl Männer wie auch Frauen betreffen kann. In den meisten Fällen tritt die Hyperhidrose nach der Pubertät auf, da es im Kindesalter nicht als störend empfunden wird. Durch die hormonelle Veränderung im Körper entwickelt sich der Geruch in der Schweissdrüse erst in der Pubertät und wird ab da als Problem empfunden.

Wie schränkt die Krankheit die Betroffenen im Alltag ein?
Die Betroffenen leiden meist stark unter dem Schwitzen, was bis hin zum sozialen Rückzug führen kann. Es gibt durchaus auch Patienten, welche sich überlegen, aufgrund der Krankheit eine Umschulung zu machen, da es im Job zu Problemen kommt. Das betrifft oft Elektriker, Büroangestellte oder auch Menschen im Aussendienst, welche durch die nassen Hände im Job eingeschränkt sind.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?
Es gibt die gängigen Methoden, welche die meisten Betroffenen zu Hause anwenden. Dazu gehört der Einsatz von gewöhnlichen Deodorants bis hin zu Aluminiumchlorid-Deodorants. Dann gibt es die Möglichkeit der Leitungswasser-Iontophorese. Hierbei werden Hände sowie Füsse in einem Becken mit Wasser unter Einsatz von Gleichstrom gebadet. Dabei wird die Reizschwelle der Schweissdrüsen erhöht, so dass sie weniger schnell Schweiss produzieren. Eine weitere Option ist die Injizierung von Botulinum Toxin (Botox) in die betroffene Stelle. Zu den etwas neueren Behandlungsmethoden gehört miraDry. Hierbei handelt es sich um eine nicht invasive Methode, bei der ein Teil der Schweissdrüsen erhitzt und eliminiert wird (nur für Achseln geeignet).

Gibt es auch Methoden, welche einen operativen Eingriff benötigen?
Ja, es gibt operative Eingriffe, welche aber immer seltener angewendet werden aufgrund der grossen Risiken. Es gibt die Sympathektomie, bei der der Nervenstrang der Schweissdrüsen durchtrennt wird oder die Absaugung der Schweissdrüsen.

Wie hoch sind die Kosten einer Behandlung?
Bei den Kosten gibt es grosse Unterschiede – je nach Behandlung und je nach Klinik. Bei Botox beispielsweise kostet die Behandlung zwischen CHF 800.– bis CHF 1000.–. Die Behandlung mit miraDry kostet um die CHF 2000.– und bei einem operativen Eingriff muss man mit bis zu CHF 4000.– rechnen.

Muss der Patient die Kosten selbst übernehmen?
Auch hier kommt es auf die Methode sowie die Krankenkasse an. Betroffene sollten sich vorgängig bei der Krankenkasse informieren, ob der Eingriff voll, teilweise oder gar nicht übernommen wird.

Wie viele Betroffene gibt es in der Schweiz?
In der Schweiz leiden zwei bis vier Prozent unter der störenden Hyperhidrose, welche sich nicht mit Deodorants behandeln lässt.

Welche Tipps geben Sie, um das übermässige Schwitzen zu verringern?
Vor allem bei der primären Hyperhidrose ist es schwer, konkrete Tipps zu geben, da man die Ursache nicht kennt. Was das Schwitzen aber im Allgemeinen verstärkt, ist der Verzehr von scharfen Lebensmitteln und Alkohol- sowie Tabakkonsum. Zusätzlich sollte man verschiedene Deodorants ausprobieren, um herauszufinden, welches für die betroffene Person am besten geeignet ist. Bei der Kleiderwahl sollte man ein Augenmerk auf die Zusammensetzung legen und hauptsächlich atmungsaktive Kleidung wählen oder sich mit Pads helfen, welche man in die Kleidung kleben kann.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch



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