Kann Lippenherpes gefährlich werden? Was der Chefarzt dazu sagt

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Freitag, 10. Mai 2019 07:10

Prof. Dr. med. Christoph U. Brand: «Schwere Verläufe mit grosser Ausdehnung sowie Entwicklung von Fieber gehören zum Arzt.»


Prof. Dr. med. Christoph U. Brand, Chefarzt Zentrum für Dermatologie und Allergologie am Luzerner Kantonsspital, zum Thema Lippenherpes.

Herr Brand, unter welchen Umständen kann ein akuter Lippenherpes-Schub vorkommen?
Die Primärinfektion mit einem Herpes Virus erfolgt in 70 Prozent meist im Kindes- oder Jugendalter durch direkten Kontakt oder durch Speichel. Diese Infektion kann hierbei ohne Krankheitssymptome erfolgen und die Erkrankung kann sich allenfalls erst nach Jahren zeigen. In vielen Fällen kommt es jedoch bei der Erstinfektion zu hoch ansteckenden ausgedehnten schmerzhaften Läsionen der Mundschleimhaut, die innert zwei bis drei Wochen abheilen. In der Folge wandern die Viren den sensorischen Hautnerven entlang zum Rückenmark und etablieren dort eine schlafende Infektion, die lebenslang bestehen bleibt. Durch verschiedene Auslöser kommt es zur Reaktivierung der Viren und somit zum Ausbruch eines Lippenherpes.

Was sind die Auslöser?
Häufige Auslöser sind:

  • Starke UV-Licht-Exposition (Sonnenbaden, Solarium, Skifahren usw.)
  • Physische und psychische Belastungssituationen
  • Fieberhafte Erkrankungen (grippale Infekte usw.)
  • Hormonelle Einflüsse (z.B. Menstruation)
  • Immunsuppression mit Schwächung des Immunsystems
  • Reizung der Haut (Operative oder zahnärztliche Eingriffe, Laserbehandlungen, Spritzen etc.)

Wie behandelt man Lippenherpes?
Die Behandlung besteht in einfachen Fällen in einer Therapie mit schmerzlindernden lokalen Massnahmen. Häufig werden auch antivirale Cremes eingesetzt. Eine systemische Behandlung mit antiviralen Tabletten wie Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir führt meist, falls rechtzeitig bei den ersten Symptomen eingesetzt, zu einer rascheren Rückbildung der Herde. Die Tablettenbehandlung dauert in der Regel 5 bis 7 Tage. Die ursprünglich empfohlene fünftägige Therapie beim rezidivierenden Lippenherpes wird jedoch zunehmend durch eine Kurzzeitbehandlung mit einer höheren Dosis ersetzt. Das so einfachere Behandlungsschema erleichtert das Einhalten der Therapie und spart Kosten.

Kann Lippenherpes verhindert werden?
Wichtig ist, die obengenannten Auslöser zu vermeiden. Allenfalls kann, zum Beispiel nach einem Zahneingriff, präventiv medikamentös behandelt werden.

Stimmt es, dass man sich durch Küsse anstecken kann?
Ja, die Übertragung des Virus erfolgt durch Tröpfcheninfektion (Speichel) und direkten Kontakt. Problematisch ist, dass der Herpesvirus auch bei klinisch unauffälliger Haut übertragen werden kann.

Kann Lippenherpes gefährlich werden?
Eine gefürchtete Komplikation ist ein Augenbefall, der zu Langzeitschäden führen kann. Auf beeinträchtigter Haut, zum Beispiel bei Ekzem-Patienten, kann sich eine Herpesinfektion rasch ausbreiten und im schlimmsten Fall zu einer Erkrankung des Hirns führen. Eine Übertragung von der infizierten Mutter auf das Neugeborene ist ebenfalls möglich und kann auch hier zu schweren Erkrankungen (neonataler Herpes) führen. Bei allen schweren Erkrankungen ist eine rechtzeitige Diagnose und Therapie wichtig um Spätschäden zu verhindern.

Wann sollte man die Fieberblasen einem Arzt zeigen?
Schwere Verläufe mit grosser Ausdehnung sowie Entwicklung von Fieber gehören zum Arzt. Rasch handeln sollte man auch wenn sich bei einer Herpesinfektion plötzlich ein steifer Nacken entwickelt und/oder neurologische Symptome wie Lichtscheu, Verhaltensänderungen und Wahrnehmungsstörungen dazu kommen. Hier ist eine Behandlung mit antiviralen Mitteln dringend und sofort zu erwägen.

Kann man sich gegen Lippenherpes impfen?
Bisher existiert noch keine wirklich wirksame Impfung.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch



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