Laktoseintoleranz: Jeder Fünfte ist betroffen

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Montag, 02. September 2019 06:35

Foto Pixabay.


Sereina de Zordo, Expertin bei aha! Allergiezentrum Schweiz, zum Thema Laktoseintoleranz.

Frau de Zordo, was bedeutet Laktoseintoleranz?
Bei der Laktoseintoleranz wird das Verdauungsenzym Laktase im Dünndarm nicht oder nur ungenügend produziert. Das Enzym ist aber nötig, um die Laktose (Milchzucker) in seine Bestandteile zu spalten. Bei der Laktoseintoleranz gelangt der Milchzucker also unverdaut in den Dickdarm und wird dort von Bakterien vergoren, was zu den typischen Beschwerden führt.

Macht sich die Unverträglichkeit bei allen Milchprodukten bemerkbar?
Normale Milch oder Joghurt enthalten relativ viel Laktose, was das Auftreten der Symptome verstärkt. Hingegen sind in Butter nur Spuren davon enthalten und sie ist daher meist auch gut verträglich. Im Vergleich zur normalen Milch ist in Sauermilch oft weniger Milchzucker vorhanden, weil die Bakterien bei der Milchsäuerung die Laktose in Milchsäure umwandeln. Deren Verträglichkeit muss aber immer individuell getestet werden. Zu den meist gut verträglichen Produkten gehört beispielsweise auch reifer Käse, denn während des Reifungsprozesses wird der grösste Teil der Laktose durch Bakterien abgebaut.

Welche Symptome machen auf eine Laktoseintoleranz aufmerksam?
Sie führt zu Blähungen, Wind, Durchfall oder Verstopfung sowie Bauchschmerzen und manchmal zu Übelkeit oder Erbrechen. Eine Laktoseintoleranz führt nicht zu einer lebensbedrohlichen Situation, sie kann für Betroffene aber sehr unangenehm und einschränkend sein.

Welche Ursachen kann eine plötzlich auftretende Intoleranz haben?
Es gibt verschiedene Formen der Laktoseintoleranz. Bei der häufigsten Form geht typischerweise im Jugend- und Erwachsenenalter die Produktion von Laktase im Dünndarm zurück. Diese Form der Laktoseintoleranz betrifft ungefähr jede fünfte Person. Eine plötzlich auftretende Form der Laktoseintoleranz kann etwa aufgrund von Magen-Darm-Erkrankungen auftreten.

Gibt es verschieden Stärkegrade der Unverträglichkeit?
Nicht alle Betroffene reagieren gleich. Es gibt sowohl Unterschiede beim Laktosegehalt, welcher die Symptome auslöst, als auch bei der Art und Stärke der Beschwerden.

Kann die Intoleranz behandelt werden?
Bei den meisten Betroffenen ist die Laktase noch ein wenig aktiv, was bedeutet, dass kleine Mengen laktosehaltiger Nahrungsmittel (12 g pro Tag) über den Tag verteilt gegessen, oft noch gut verträglich sind. Ebenfalls wird manchmal Laktose besser vertragen, wenn gleichzeitig fett- oder eiweissreiche Nahrungsmittel gegessen werden. Wer auch auf kleine Mengen reagiert, findet im Detail- und Fachhandel eine grosse Anzahl von laktosefreien Spezialprodukten. Das Enzym Laktase kann zudem auch in Tabletten- oder Pulverform eingenommen werden und so helfen, die Laktose in Speisen besser zu verdauen.

Stimmt es, das beispielsweise reifer Käse besser verträglich ist bei einer Laktoseintoleranz?
Ja, das stimmt. Während des Reifeprozesses wird der grösste Teil der Laktose abgebaut, was ihn meist unproblematisch macht.

Was raten Sie den Betroffenen, um möglichst gut mit der Intoleranz leben zu können?
Grundsätzlich gilt es, die eigene Toleranzgrenze von Laktose herauszufinden. Meist sind geringe Mengen Laktose über den Tag verteilt in Kombination mit fett- oder eiweisshaltigen Nahrungsmitteln noch verträglich. Treten trotzdem noch Symptome auf kann die Einnahme vom Enzym Laktase in Tabletten- oder Pulverform unterstützend helfen. In jedem Fall empfehlen wir, dass sich Betroffene bei einer Ernährungsberatung melden. Diese unterstützt denjenigen bei der aktiven Ernährungsumstellung.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch



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