Schluckauf: Männer und grosse Menschen sind häufiger betroffen

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Montag, 10. Juni 2019 07:30

Dr. med. Daniele Riva, Oberarzt Gastroenterologie des Kantonsspitals Aarau.


Dr. med. Daniele Riva, Oberarzt Gastroenterologie des Kantonsspitals Aarau, zum Thema Schluckauf.

Herr Riva, wie entsteht Schluckauf?
Schluckauf, fachsprachlich Singultus genannt, entsteht durch eine Reizung des Hirnstamms und/oder spezifischer Nervenbahnen. Dies führt zu einer plötzlichen und unwillkürlichen Kontraktion des Zwerchfells mit anschliessend schnellem Schluss der Stimmritze (Öffnung zwischen den Stimmbändern). Dabei kommt es zu einem Luftaufprall auf die Stimmritze, welcher das typische «Hicks»-Geräusch erzeugt.

Welche Auslöser kann Schluckauf haben?
Da der Schluckauf durch eine Nervenreizung entsteht, gibt es viele mögliche Auslöser. Einerseits können Alkohol, Nikotin, ein sehr voller Magen oder kohlensäurehaltige Getränke Schluckauf verursachen. Andererseits können Entzündungen der Speiseröhren-, Magen- oder Darmschleimhaut oder der Hirnhaut Ursachen dafür sein. Weitere Krankheiten, welche zu einem Schluckauf führen können, sind Reflux (chronisches Sodbrennen), Magengeschwüre, Tumore, eine Hirnblutung oder ein Schlaganfall. In den allermeisten Fällen wird der Schluckauf jedoch nicht mit gravierenden Erkrankungen assoziiert, verläuft selbstlimitierend und die Ursache ist unklar. Auffallend ist, dass Männer sowie grosse Menschen häufiger betroffen sind.

Gibt es unterschiedliche Formen von Schluckauf?
Nein, es gibt keine unterschiedlichen Schluckaufformen.

Kann Schluckauf ein Symptom für weitere Erkrankungen sein?
Der Schluckauf ist meistens harmlos, insbesondere bei einer Dauer unter 48 Stunden. Bei einem länger andauernden Schluckauf, kann eine der oben genannten Erkrankungen vorliegen.

Ab wann empfehlen Sie die Konsultation eines Arztes?
Bei immer wiederkehrendem oder länger als 48 Stunden andauerndem Schluckauf, empfiehlt sich eine ärztliche Konsultation. Bestehen Begleitsymptome wie beispielsweise Kopfschmerzen, Schwäche, Gleichgewichtsverlust, Taubheitsgefühle oder Sprachstörungen, so ist eine notfallmässige Vorstellung beim Arzt notwendig.

Kann Schluckauf zu einer chronischen Erkrankung werden?
Oft ist der Schluckauf selbstlimitierend und verschwindet von selbst wieder. Chronischer Schluckauf besteht, wenn dieser länger als zwei Tage dauert.

Besteht die Möglichkeit einer Behandlung?
Unter Therapie der zugrundeliegenden Krankheit hört der Schluckauf meist auch auf. Bei der Refluxerkrankung werden beispielsweise therapeutische Säureblocker eingesetzt oder bei einer Lungenentzündung Antibiotika. Bleibt der Schluckauf ohne Hinweise für eine anderweitige Erkrankung oder Ursache bestehen, so können stufenweise verschiedene Medikamente wie Metoclopramid oder Domperidon, welche die Magen-Darm-Passage beschleunigen und die Übelkeit reduzieren, verabreicht werden. Zusätzlich kann die Einnahme von Baclofen, ein muskelentspannender Wirkstoff oder einem Anti-Epileptikum wie Gabapentin Abhilfe schaffen.

Ob ein Glas Wasser trinken, sich erschrecken lassen oder einen Löffel mit Essig und Zucker in den Mund stecken- es gibt viele Tipps gegen Schluckauf. Doch schaffen diese wirklich Abhilfe?
Ziel ist es, die Atemmuskulatur beziehungsweise die gereizten Nervenbahnen zu beruhigen. Es ist durchaus denkbar, dass dies durch Ablenkung oder Gegenstimuli durch solche Hausmittel erreichbar ist – auch wenn wissenschaftliche Untersuchungen dazu fehlen. Subjektiv wahrgenommen funktionieren derartige Massnahmen häufig und wenn nicht, so sind sie zumindest nicht schädlich. Mein Tipp: Das Valsalva-Manöver. Bei zugehaltener Nase und verschlossenem Mund wird für circa zehn Sekunden kräftig «ausgeatmet». Dieses Manöver führt, durch Anspannung der Atem- und Bauchmuskulatur, zur Erhöhung des Druckes in den Luftwegen. Damit übt man sowohl auf das Zwerchfell, wie auch auf die im Brustraum verlaufenden Nervenbahnen einen Stimulus aus.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch



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