Wie gefährlich ist das Schweinegrippe-Virus?

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Montag, 04. Februar 2019 07:29


Prof. Dr. med. Stephen Leib vom Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern zum Thema Schweinegrippe.

Herr Professor Leib, im Dezember starb in den USA eine bekannte TV-Moderatorin an den Folgen der Schweinegrippe. Muss man sich im neuen Jahr vor dem H1N1-Influenzavirus fürchten?
Das Schweinegrippe-Virus ist ein Influenzavirus vom Typ A/H1N1, welches 2009 ausgehend von Mexiko eine Pandemie auslöste. Influenzaviren werden in Typ A und B (und C) eingeteilt. Bei Typ-A-Viren gibt es verschiedenen Subtypen. Durch Mutationen und Rekombination können sich Influenzaviren verändern. Beim Menschen sind - nebst Viren des Typs B - vor allem die Subtypen A(H1N1) und A(H3N2) im Umlauf der saisonalen Grippe. Der pandemische Grippestamm A(H1N1) 2009 wurde nach der Pandemie 2009 in die saisonale Grippeimpfung integriert. Tragische Influenzafälle kommen leider immer noch vor. Aufgrund von Einzelfällen lässt sich keine Pandemie voraussagen.

Wie steckt man sich an?
Influenzaviren können durch ungeschütztes Niesen und Husten oder Sprechen über Tröpfchen oder indirekt durch Kontakt mit Oberflächen und über Hände, die mit Viren verunreinigten Körperflüssigkeiten behaftet sind, übertragen werden. Mit einfachen Massnahmen kann das Risiko einer Ansteckung verringert werden:

  • Hände mehrmals täglich waschen und vom Gesicht fernhalten.
  • Geschützt niesen und husten, das heisst mit Abstand zu anderen Personen und in die Ellenbeuge oder in ein Einmaltaschentuch, nicht in die Hand.
  • Auf erste Krankheitszeichen achten.
  • Bei Krankheit zu Hause bleiben.
  • Sich Zeit nehmen und die Krankheit auskurieren.
  • Im Krankheitsfall auf Körperkontakt wie Küssen, Umarmen usw. verzichten.
  • Geschlossene Räume regelmässig lüften, um die Zahl der Viren in der Luft zu verringern.
  • Oberflächen im Haushalt regelmässig reinigen.

Personen, die sich mit Grippeviren angesteckt haben, können diese auf andere übertragen, auch wenn sie sich (noch) nicht krank fühlen. Bis zum Beginn der Erkrankung dauert es etwa ein bis drei Tage.

Kann man sich gegen diese Grippe impfen?
Ja, der H1N1-Stamm ist Teil der saisonalen Grippeimpfung und die Grippeimpfung ist nach wie vor die einfachste, wirksamste und kostengünstigste Vorbeugung, um sich und zugleich seine Mitmenschen vor einer Grippeerkrankung und deren Komplikationen zu schützen. Ideal dafür ist jeweils die Zeit von Mitte Oktober bis Mitte November. Die Grippeimpfung wird empfohlen für Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko: Menschen ab 65, schwangere Frauen, frühgeborene Kinder bis zwei Jahre sowie Personen mit chronischen Erkrankungen. Die saisonale Grippeimpfung kann ausserdem für alle Personen in Betracht gezogen werden, die ihr Risiko für eine Grippeerkrankung aus privaten und/oder beruflichen Gründen vermindern möchten.

Welche Symptome treten auf?
Krankheitszeichen einer Grippe sind plötzlich auftretendes Fieber (>38 °C), Husten, Hals- und Schluckweh, Kopfschmerzen, Schmerzen in Muskeln und Gelenken, auch mit Schnupfen, Schwindelgefühl und Appetitverlust. Bei Kindern können zudem Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten, bei älteren Personen kann Fieber fehlen. Eine Grippe kann bis zu zwei Wochen dauern. Eine Grippeerkrankung kann relativ mild und komplikationslos verlaufen und wird dann oft mit einer Erkältung verwechselt.

Und das Ansteckungsrisiko?
Das Ansteckungsrisiko ist zu Beginn der Krankheit am höchsten. Die durch Influenzaviren verursachte Grippe kann bisweilen zu Komplikationen führen – wie das eingangs beschriebene Fallbeispiel der Frau, welche an einer Hirnhautentzündung erkrankte. Hals-, Nasennebenhöhlen- und Mittelohr-Entzündungen, eine Lungen- oder Herzmuskelentzündung oder neurologische Komplikationen können durch die Influenzaviren selbst oder durch eine bakterielle Sekundärinfektion entstehen.

Wann muss man zum Arzt oder gar auf den Notfall gehen?
Ein Arztbesuch ist nicht immer notwendig. Wer sich krank fühlt, sollte zu Hause bleiben, insbesondere bei anhaltenden Symptomen. Flüssigkeitszufuhr und Medikamente, zum Beispiel solche, die Paracetamol enthalten, können die Symptome lindern. Falls zusätzliche Krankheitszeichen auftreten oder sich die Symptome verschlimmern oder mehr als eine Woche anhalten, sollte ein Arzt aufgesucht werden.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch



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