Tödliche Verwechslungsgefahr: Der Bärlauch und seine giftigen Doppelgänger

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Mittwoch, 24. April 2019 07:00

Foto Pixabay.


An feuchten Stellen in humusreichen Laubwäldern wächst Bärlauch, welcher auch gerne gesammelt und für die Frühjahrsküche verwendet wird. Die Blätter zeigen sich in elliptischer Gestalt und beim Zerreiben des Blattes entströmt ein typischer knoblauchartiger Geruch. Doch beim Pflücken ist Vorsicht geboten, denn Bärlauchblätter werden oft mit den giftigen Blättern der Herbstzeitlosen oder des Maiglöckchens verwechselt.

Dr. med. Colette Degrandi, Oberärztin der Tox Info Suisse, zum Thema Bärlauch.

Frau Degrandi, wie erkennt man, ob man die richtigen Blätter gepflückt hat?
Die Bärlauchblätter zeigen eine elliptische Form und charakterisieren sich durch einen starken Knoblauchgeruch. Maiglöckchen- sowie Herbstzeitlosenblätter wachsen in einer lanzettenartigen Form und weisen keinen eindeutigen Geruch auf. Zusätzlich haben die Herbstzeitlosen sowie die Maiglöckchen im Vergleich zum Bärlauch keinen Stiel.

In welcher Zeitperiode darf Bärlauch gesammelt und in der Küche verarbeitet werden?
Grundsätzlich darf man Bärlauch zu jeder Zeit sammeln. Sobald er zu blühen beginnt, ist er für den Menschen aber weniger gut verträglich, da der Gehalt und die Zusammensetzung der ätherischen Öle sich ändert. Der Geschmack wird penetranter und es kommt häufiger zu leichten Magen-Darm-Symptomen.

Was ist zu tun, wenn trotz aller Vorsicht die falschen Blätter gepflückt und verzehrt wurden?
Meist wissen die Betroffenen nicht, dass sie falsche Blätter verzehrt haben und können daher auch nicht sagen, um welche Pflanzenart es sich handelt. Sollten sich innerhalb von zwei bis zwölf Stunden nach dem Verzehr Symptome, wie beispielsweise Durchfall, bemerkbar machen, so gilt es einen Arzt zu konsultieren.

Welche Beschwerden und Symptome können durch den Irrtum hervorgerufen werden?
Bei einer Verwechslung treten meist Übelkeit, Erbrechen sowie Durchfall auf.

Kann die Verwechslungsgefahr gar tödlich enden?
Herbstzeitlose verfügen über ein hochwirksames Zellgift (Colchicin), welches schon bei weniger als einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht lebensgefährlich ist. Maiglöckchen hingegen enthalten herzwirksame Stoffe, rufen aber meist nur Magen-Darm-Symptome hervor. Für eine lebensgefährliche Vergiftung müssten davon grosse Mengen konsumiert werden.

Wann sollte ein Arzt oder gar eine Notfallstation aufgesucht werden?
Sollte es sich bei den verzehrten Blättern um Herbstzeitlose handeln, sollte so rasch wie möglich Medizinalkohle verabreicht werden. Bei Symptomen wie Durchfall oder Erbrechen ist eine ärztliche Untersuchung nötig. Dies gilt auch beim Verzehr grosser Mengen Maiglöckchen.

Wie wird eine Pflanzen-Vergiftung behandelt?
In erster Linie wird die Vergiftung mittels Einnahme von medizinischer Kohle behandelt. Die zeitnahe wiederholte Einnahme von Kohlesuspension bindet das Gift im Magen-Darm-Trakt, so dass es nicht vom Körper aufgenommen werden kann. Damit können (im Idealfall) Vergiftungssymptome verhindert werden. Bei der Colchicinvergiftung verteilt sich das Zellgift aber rasch im Körper und beim Auftreten von Symptomen, muss die Behandlung individuell auf den Patienten sowie den Schweregrad der Vergiftung angepasst werden.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch



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