Übertragung von Warzen durch Händeschütteln? Der Facharzt für Dermatologie klärt auf

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Montag, 08. April 2019 07:00

Prof. Dr. Jürg Hafner: «Riskant wird es, sobald Druck oder Reibung an einer mit Warzenvieren infizierten Stelle ausgeübt wird.»


Prof. Dr. Jürg Hafner, Facharzt FMH für Dermatologie und Angiologie des UniversitätsSpital Zürich, zum Thema Warzen.

Herr Hafner, wie kommt es zu Warzen?
Warzen entstehen durch eine Virusinfektion der obersten Hautschicht mit sogenannten «humanen Papillomviren (HPV)». Es gibt circa 150 verschiedene HPV-Typen. Diese unterscheiden sich mit kleinen Abweichungen von einer zur Nächsten.

Welche Warzenarten gibt es?
Es gibt die gewöhnlichen Warzen (Verruca vulgaris), welche hauptsächlich an Händen und Füssen vorkommen. In seltenen Fällen kann sich diese Form auch an den übrigen Stellen des Körpers bilden. Nebst den gewöhnlichen Warzen, gibt es auch die sogenannten «flachen Warzen», welche sich im Gesichtsbereich befinden. Genauso häufig sind Genitalwarzen wie Feigwarzen, Spitzwarzen oder Condylome. Aggressive Formen von Genitalwarzen können in Krebs übergehen. Hierbei sprechen wir von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom), Peniskarzinom, Analkarzinom und Karzinom der Mundschleimhaut.

Sind Warzen ansteckend?
Ja, Warzen können übertragen werden. Zur Übertragung benötigt es aber mehr als ein einfaches Händeschütteln. Riskant wird es, sobald Druck oder Reibung an einer mit Warzenvieren infizierten Stelle ausgeübt wird. Dies kann beispielsweise bei Sportgeräten der Fall sein. Ein zusätzlicher Risikofaktor sind kontaminierte Flächen am Boden. Durch kleinste Risschen der Haut, wie sie bei Verletzungen oder auch Ekzemen auftreten, können sich die Viren leichter ausbreiten. So werden auch die Genitalwarzen vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen.

Kann man sich gegen Warzen impfen?
Man kann sich gegen gewisse HPV-Typen impfen lassen. Somit impft man sich allerdings nicht gegen die Warze selbst, sondern gegen deren Erreger. Einerseits kann man sich gegen HPV-Typ 6 und 11 impfen lassen, welche typischerweise Genitalwarzen verursachen. Andererseits besteht auch die Möglichkeit sich gegen die HPV-Typen 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58 mit einer Impfung schützen zu lassen. Diese Typen sind für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom), Peniskarzinom, Analkarzinom und Karzinom der Mundschleimhaut verantwortlich. Die HPV-Impfungen schützen folglich nicht nur vor Genitalwarzen, sondern auch vor Gebärmutterhalskrebs, Peniskrebs, Analkrebs und vor Karzinomen der Mundschleimhaut.

Können Warzen einen gefährlichen Verlauf nehmen, zum Beispiel Krebs auslösen?
Es gibt HPV-Typen, welche zu einer Krebserkrankung führen können.

Welche Entfernungsmethoden gibt es?
Zur Entfernung von Warzen gibt es diverse Methoden. Warzen können durch regelässiges mechanisches Abtragen mit einer Klinge – mit oder ohne vorgängigem Aufweichen (Salicyl-Vaseline oder Harnstoff) – der elektrischen Schlinge oder dem CO2-Laser entfernt werden. Sollte dies nicht die passende Methode sein, könnte die Warze mit flüssigem Stickstoff vereist werden (Kryotherapie). Wählt man den pflanzlichen Weg, können Extrakte aus Fussblatt (Podophyllotoxin), Wolfsmilch (Ingenolmebutat) oder Grüntee Abhilfe schaffen. Zusätzlich kann eine Entfernung mittels Imiquimod in Betracht gezogen werden. Imiquimod ist ein Immunmodulator, welcher die Warze nicht direkt entfernt, sondern das Immunsystem der Haut ankurbelt, welches gegen die Warze ankämpft.

Wie wählt man das passende Therapieverfahren aus?
Die Wahl des Verfahrens hängt von den Faktoren Grösse, Anzahl, Stelle und Alter des Patienten ab.

Ob Apfelessig oder Knoblauch, wie gut helfen Hausmittel gegen Warzen?
Wollen Betroffene die Warzen mit Hausmitteln behandeln, empfehle ich auf Wolfsmilch-Stengelsaft zurückzugreifen. Das hilft gut.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: med@tcs.ch



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