Zika-Virus: Noch immer gefährlich

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Mittwoch, 14. November 2018 06:10

Dr.med. Esther Künzli. Foto: HO


Dr.med. Esther Künzli, Schweizerisches Tropen- und Public-Health-Institut Basel, klärt auf.

Frau Künzli, ist Zika immer noch ein grosses Thema oder kann man entwarnen?
Zika war und ist vor allem im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft respektive Familienplanung in der Reisemedizin nach wie vor ein Thema. Das Risiko einer Zika-Infektion bei Reisenden ist schwer abzuschätzen. In Südamerika, wo das Virus erstmals wirklich in den Fokus der Öffentlichkeit geraten ist, scheinen die Fälle bei der Lokalbevölkerung abzunehmen. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass ein Grossteil der Bevölkerung bereits eine Zika-Infektion durchgemacht hat und, zumindest vorübergehend, immun ist. Über das Risiko für nicht-immune Reisende sagt das allerdings nichts aus. Grundsätzlich kann Zika in den meisten tropischen und subtropischen Ländern vorkommen, genaue Daten fehlen.

Wie gefährlich ist das Virus tatsächlich?
Bei gesunden Erwachsenen verlaufen 80 % der Infektionen ohne Symptome. Die häufigsten Symptome sind Fieber, Gliederschmerzen und Hautausschlag. Sehr selten kann es als Komplikation zu einem sogenannten Guillain-Barré-Syndrom, einer aufsteigenden Lähmung, kommen. Zika ist ein Problem in Bezug auf die Familienplanung und Schwangerschaft, da eine Zika-Infektion während der Schwangerschaft zu Fehlbildungen beim Kind führen kann.

Raten Sie Schwangeren davon ab, in betroffene Gebiete zu reisen?
Ja, wir raten Schwangeren davon ab, in Gebiete mit einer potentiellen Zika-Übertragung zu reisen. Dabei muss man sich bewusst sein, dass Zika grundsätzlich in den meisten tropischen und subtropischen Ländern vorkommen könnte, zurzeit jedoch keine aussagekräftigen Daten vorliegen.

Wie behandelt man eine Zika-Infektion?
Es gibt keine spezifische Therapie für Zika, die Behandlung erfolgt symptomatisch.

Die Tigermücke, welche das Zika-Virus übertragen kann, kommt auch bei uns in der Schweiz vor. Müssen wir uns Sorgen machen?
Das alleinige Vorkommen einer Mücke birgt kein Risiko für die Übertragung einer Erkrankung. Damit eine Mücke eine Erkrankung übertragen kann, müssen verschiedene Faktoren zusammenkommen: die Anzahl erkrankter Personen in der Bevölkerung, die Zahl der Mücken etc.

Wird das Zika-Virus auch nach Europa kommen?
Das lässt sich nicht komplett ausschliessen.

Wie kann man feststellen, dass man von einer Tigermücke gestochen worden ist?
Der Stich einer Tigermücke unterscheidet sich nicht vom Stich einer anderen Mücke. Aber solange keine Symptome auftreten, ist es unwichtig, ob es eine Tigermücke war oder nicht. Nicht zuletzt, da ja längstens nicht jeder Stich zu einer Erkrankung führt.

Wann kann man mit einem Zika-Impfstoff rechnen?
Das wird wahrscheinlich noch länger dauern.


Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut Basel realisiert. Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) ist ein weltweit renommiertes Institut auf dem Gebiet der globalen Gesundheit mit besonderem Fokus auf Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen.



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